
Geschafft – nach 19 Tagen und 2.852 sm haben wir um 22:30 Uhr Ortszeit vor Port St. Charles, Barbados, in völliger Dunkelheit und bei Regen, den Anker fallen lassen. Und dann natürlich das nicht alkoholfreie Bier genossen.
Bevor man sich frei bewegen darf, muss man das Boot und die Crew „einklarieren“ (Zoll, Immigration, Polizei) und bis das nicht geschehen ist, signalisiert man den Status mit der gelben „Q“-Flagge unter der Landesflagge..
Aber erstmal noch zum Anfang:
Noch bevor die neuen Crewmitglieder eintrafen, hat Starlink seinen Geist aufgegeben. Wir befürchteten schon, dass eine neue Antenne zu kaufen sei, denn ohne die Möglichkeit, per Starlink Wetterdaten abzurufen, wäre ein Losfahren nicht möglich. Gut, dass Olaf nach anfänglichem Frust der Ursache für den Ausfall auf Grund ging und entdeckte, das der Stecker zuviel Meerwasser bekommen hat. Nach Austausch und neu eingedichtet, funktionierte das Ganze wieder.

Am 07.01. kamen die ersten beiden Crewmitglieder, Conny und Manfred, an Bord. Am nächsten Tag vervollständigte Uwe die Mannschaft.
Einkaufen stand als Nächstes auf dem Programm. An zwei Tagen haben wir uns jede Menge Wasser und Lebensmittel anliefern lassen. Vor dem Einräumen wurde alles abgewaschen, damit wir keine Schädlinge an Bord nehmen. Die Wasserflaschen (als Notration, falls der Wassermacher ausfällt) haben wir an der Reling festgebunden.

Noch frisch und unverbraucht v.l. Uwe, Conny, Moni, Manfred und Olaf.
Am 10.01.2025 um 10:40 Uhr haben wir in Las Palmas abgelegt, sind zur Tankstelle und los ging das Abenteuer. Bis wir aus der Bucht raus waren und der Wind kam, ging um 15.20 Uhr der Motor aus, die Segel wurden eingestellt und der nach Wind steuernde Autopilot hat uns so bis nach Barbados gebracht. Ausbaumer (Alustange, die das Vorsegel nach aussen drückt und so stabilisiert) und Bullenstander (Leine vom Ende des Großbaums zum Bug, um unabsichtliches durchrauschen des Baumes von der einen auf die andere Seite zu verhindern) waren natürlich gesetzt.
Leider ist am 2. Tag bereits die Mainfurlingleine (also die Leine, mit der man die Fläche des Großsegels per einrollen in den Mast verkleinern kann) gerissen, so dass zum Reffen des Großsegels immer eine Person am Mast erforderlich war.
Wind und Welle haben uns ordentlich zugesetzt, da das Boot extrem in Bewegung war. Überall blaue Flecken und Kochen war eine echte Herausforderung. Oft hätten wir uns Krakenarme gewünscht, um alles vom Rutschen und Fallen zu bewahren. Serviert wurde daher fast ausschließlich in Schüsseln mit Löffel oder Gabel, da essen mit Messer und Gabel von einem Teller unmöglich war. Aber es war immer lecker und keiner musste hungern.
Jeden Abend hat Prof. Uwe eine Wettervorschau (windy-App) gegeben, so dass alle Bescheid wussten, was die nächsten Tage so an Wind, Wellen und Regen zu erwarten war.
Während der Überfahrt haben wir doch einige Tanker, Containerschiffe und Segelboote gesehen. Ein Tanker hat uns zur Kursänderung veranlasst, da er sehr spät seinen Kurs änderte. Wir ärgern uns darüber, dass unser Wegerecht nicht eingeräumt wurde, aber nicht, schließlich sind die anderen die Profis und haben Zeitpläne zu erfüllen – Eure Sendungen aus Fernost sollen ja rechtzeitig ankommen 🙂
Der Wachplan war so eingeteilt, dass Olaf und Uwe, als Skipper und Co-Skipper, jeweils 4 Stunden Wache hielten und die Crew jeweils 3 Stunden dazu kam. So gab es Abwechslung während den Schichten und neue Gesprächspartner, falls die denn nachts überhaupt viel reden wollten.
Es wurde tagsüber viel geschlafen, um die nächtlichen Unterbrechungen nachzuholen.
Am 3. Tag hat uns eine Delphinschule begleitet, später schwamm ein Orca lange um unser Boot herum. Durch die Aktionen der Orcas um Gibraltar herum, waren wir nicht ganz entspannt, wie dieser Orca nun reagieren würde und wir hatten doch etwas Angst um unser Ruder. Aber irgendwann zog er weiter. In den nächsten Tagen haben wir immer wieder mal Flossen aus dem Wasser blitzen sehen, bis aber die Handys für Bilder gezückt waren, gab es schon nichts mehr zu sehen.

Und dann noch die Angel. Kaum war der Thunfischköder befestigt und im Wasser, hing auch schon ein kleiner Thunfisch dran. Was eine Aufregung. Wasser erstmal holen und das Deck wässern, damit das Blut keine Flecken hinterläßt. Winschkurbel, Schneidbrett, Messer und Handschuh holen. Und das alles bei viel Welle am Heck stehend. Großartig.


Wer beisst wird gemetzgert – sehr klein aber auch sehr lekker.
Beim nächsten Versuch hat der Knoten vom Vorfach nicht gehalten und somit war der Köder weg. Blöd.
Dann haben wir einen wunderschönen Mahi Mahi gefangen, der uns zwei Abendessen beschert hat. Leider war dann der Köder so zerfleddert und die Angelhalterung brach noch, dass wir vom Angeln Abstand nehmen mussten.

Was für ein sehr schönes Tier. Es fällt nicht ganz leicht und ich habe mich vor dem Töten lautlos bei dem Tier entschuldigt.
Andere kamen freiwillig zum Sterben an Deck.


Fliegende Fische kann man auch essen, ist hier auf Barbados eine Spezialität. Wir haben sie von Deck gesammelt und wieder dem Meer übergeben. Wie 2 dieser Spezies in den Salon und die Gästekajüte geschafft haben, ist nicht überliefert.
Regelmäßige Körperpflege gab es auch. Den Eimer bei 8-10kn Fahrt aus dem Wasswer zu ziehen/holen, dafür braucht es ganze Kerle – wie man sieht. Ganze Kerle braucht es auch, das kalte nur 28°C kalte Wasser zu ertragen aber: Wer schön sein will…


Geschafft und glücklich v.l. Uwe, Conny, Manfred, Moni, Olaf
Wie man sieht, ausgezehrt und abgemagert, es war einfach hart 😉
„Land Ho“ in Barbados!
Nach 19 Tagen auf See und 2825 nautischen Meilen fällt am 28.01.2025 um 22:30 Uhr der Anker. Dass genau in dem Moment ein weiterer Squall über uns abregnet, ertragen die Ankerbediener am Bug stoisch, der Rudergänger unter dem Regen/Sonnendach im Trockenem auch :-).
Wir erreichen also Port St. Charles im Nordwesten (oben links) auf Barbados. Das erste nicht alkoholfreie Bier im Anschluss schmeckt erfreulich aber nicht erstaunlich lekker und es bleibt nicht bei einem.
Die Gastlandflagge setzten wir unter der Steuerbordsaling mit der gelben Q-Flagge, die signalisiert, das wir den Einreiseprozess noch nicht hinter und haben. Der geht aber flott und ist gut organisiert.
Dann streichen wir die gelbe Q-Flagge und sind offiziell angekommen.

Fazit: Das Boot und die Mannschaft haben sehr gut harmoniniert und so waren wir – Rasmus sein Dank – schon nach 19 Tagen „auf der anderen Seite“. Anstrengend war es auch.
Glückwunsch!!! tolle Leistung. Wir haben 2011 21 Tage gebraucht, hatten aber auch etwas mit Flaute zu tun. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute. Geht’s jetzt nordwäts de karibischen Inselboge hinauf?
Grüße Thomas und Christine
Hallo ihr Lieben, ein wunderschönes, kurzweiliges Abenteuer zu lesen, ist immer wieder schön. Wir wünschen Euch allen noch eine tolle Zeit, mit vielen guten Eindrücken auf See und an Land.
LG Helga und Klaus
Wow, ich bin beeindruckt. Einfach klasse, dass ihr es gut geschafft habt 😘😘
Hey, ganz vielen Dank für die tollen Photos und den spannenden Bericht und vor allem Glückwunsch und Respekt an Skipper und die ganze Crew zur gelungenen Atlantiküberquerung !!!
LG aus der Heimat,
Anette und Georg
Herzlichen Dank für euren Abschlussbericht.
Wir haben mit viel Interesse eure Atlantik überfahrt verfolgt.
Nun habt ihr euer Ziel erreicht und könnt euch von den Strapazen erholen.
Geniesst die wunderbaren Zeit. Da gibts eine grosse Abwechslung an Inseln.
Wünschen euch beiden gute Gesundheit und fortan Mast und Schotbruch! Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.
Mit herzlichem Seemannsgruss
Hans und Katharina aus der Südost Steiermark
Freuen uns natürlich immer wieder auf ein Lebenszeichen von der Belle Amie
Gratulation an die gesamte Crew – ein tolles Abenteuer mit unvergesslichen Momenten. Kommt gesund und munter wieder zu Hause an. Liebe Grüße Andy